Perfekte Praxis macht perfekt – Das Muskelgedächtnis

Während der Reitstunde: Du legst deine Hände immer wieder fast auf der Mähne ab und dadurch verrollt sich dein Pferd. Dein Trainer erklärt dir, was passiert, inwieweit deine Körperhaltung dein Pferd beeinflusst und was du dagegen tun kannst. Beim nächsten Versuch denkst du daran, aber bevor du mit einer Runde fertig bist, kommt es wieder zum selben Verhalten. Kapierst du es also einfach nicht? Sicher nicht, du reagierst wie fast alle Menschen. Den Begriff Muskelgedächtnis hast du sicher schon einmal gehört. Es handelt sich um die Erinnerung an eine Bewegung, die in deinem Gehirn gespeichert ist. Wenn du beim Reiten Lektionen immer wieder übst, dann willst du durch die Wiederholung besser werden, oder?

Muskelgedächtnis

Je öfter du etwas machst, desto mehr stärkst du das prozedurale Gedächtnis und dein Gehirn lernt ziemlich schnell, deine Muskeln bewegungen ausführen zu lassen. Also müssen wir einfach alles nur regelmäßig wiederholen. Dadurch können wir Bewegungen gut ausführen, aber genauso können wir uns auch „falsche“ Bewegungen einstudieren. Das Muskelgedächtnis hat nicht die Fähigkeit zu beurteilen, ob du gut reitest oder nicht. Also wenn du zB immer krumm am Pferd sitzt (natürlich unwissentlich), wirst du den selben Fehler immer und immer wieder machen. So merkt sich dein Muskelgedächtnis ein falsches Bewegungsmuster. Diese Bewegungsmuster zu überwinden, ist Schwerstarbeit.

Stell dir vor du trainierst mit einem Pullover, dir wird heiß, also krempelst du die Ärmel hoch. Nach einiger Zeit spürst du, dass die Ärmel die Arme runterrutschen und das ist ok für dich, aber du willst nicht, dass sie weiter als bis zum Ellbogen rutschen. Bevor du handeln kannst, rutscht die Ärmel ganz nach unten und du musst sie wieder hochkrempeln. Dein Muskelgedächtnis funktioniert genau so: Es passiert in deinem Unterbewusstsein, ohne dein Handeln und bevor du etwas mitbekommst, kippt deine Hüfte und du sitzt krumm. Es dauert einige Zeit, bis du in deinem bewussten Zustand eine Veränderung machen kannst.

Auch nach vielen Jahren Reitunterricht können viele Reiter ihre Hände, Beine und den Körper nicht so benutzen, wie sie denken, dass sie ihn benutzen. Es wurde zwar immer wieder trainiert, aber trotzdem kam es zu keiner Verbeserung. Der Schlüssel zum Aufbau eines guten Muskelgedächtnisses ist, sich auf Qualität vor Quantität zu konzentrieren.

Nicht die Praxis macht perfekt, sondern nur perfekte Praxis macht perfekt!

Was also tun?

Wenn du weißt was du falsch machst (egal ob in der Hüfte einknicken, Knie zudrücken, Fersen hochziehen,..), gehst du Schritt für Schritt vor.

  • Arbeite nie an mehr als einem Fehler
  • Splitte den Fehler in Teile auf
  • Lerne jeden Teil wirklich gut
  • Priorisiere die Auswirkungen, die diese Änderungen auf dein Training haben
  • Übe solange, bis du dies kannst
  • Erst danach fügst du den nächsten Teil hinzu
  • Wiederhole dies solange, bis du dieses falsche Bewegungsmuster überspielt hast.

Sei geduldig, und suche zb Unterstützung durch einen Centered Riding Trainer. Beim Üben musst du deinem Körper auch nicht bewusst sagen „Halte deine Hände geschlossen“, der Körper weiß dadurch die Neuronen mit den Muskeln kommunizieren, dass er enge Hände machen soll. Durch diese Umprogammierung in eine positive Bewegung wird dieser anfangs unbewusste Prozess genauso wie die ursprüngliche Bewegung verankert. Die Muskeln gewöhnen sich an bestimmte Bewegungsarten. Je öfter du eine bestimmte Bewegung machst, desto wahrscheinlicher wirst du es bei Bedarf tun.

Reiten ist ein Denksport, in dem es um Strategie geht. Der allgemeine Konsens ist, dass das Muskelgedächtnis am besten ausgebildet wird, wenn die gleichen Bewegungen immer wieder praktiziert werden. Gedanken können allerdings auch das Muskelgedächtnis beeinträchtigen.  Der „Mangel an Vertrauen“ kann alle positiven Fortschritte zu nichte machen, die bei der Änderung von Bewegungsmuster gebraucht würden.

I don’t want riders who work physically hard. Work by thinking. – Nuno Oliveira

Behalte im Hinterkopf, dass sogar das Training der Muskeln ist eigentlich Gehirntraining ist, um die Muskeln arbeiten zu lassen und man mit dieser Weise auch die Instinkte beim Reiten überwinden kann.

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