Trageerschöpfung

Seit Jahren prägt Tanja Richter den Begriff „Trageerschöpfung“, egal ob Freizeit- oder Sportpferd, jeden kann es treffen. Die Trageerschöpfung ist reitweisenunabhängig, multifaktorell und ensteht immer über einen längeren Zeitraum.

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Woran erkenne ich die Trageerschöpfung?

  • wenig Rückenmuskulatur
  • der Widerrist tritt heraus, daneben bilden sich Einkerbungen
  • ein abgesackter Brustkorb und Rumpf
  • Vorhand ist rückständig
  • Unterhals
  • Kruppen-und Hinterhandsmuskulatur ziehen von hinten, um den Rücken anzuheben
  • der Rücken „hängt“ oder ist eingesunken
  • Verspannung der Lendenmuskeln und/oder aufgewölbte Lendenwirbelsäule (Karpfenrücken)
  • verspannte Bauchmuskulatur (unterhalb vom Brustkorb ist auf beiden Seiten ein harter Strang zu erfühlen)
  • die „Hosenmuskulatur“ links und rechts neben der Schweifrübe, an den Hinterbeinen entlang, ist dicker und auffälliger. Sie sind häufig total verhärtet.

Ein trageerschöpftes Pferd leidet unter großen Muskelverspannungen und kann sich nicht korrekt biegen. Es kommt häufig zu sog. „Blockaden“ in der gesamten Wirbelsäule. Es kann nicht raumgreifend gehen und wird wahrscheinlich frühzeitig an typischen Verschleißerkrankungen wie Spat, Kissing Spines, Sehnenproblemen, Arthrosen usw. leiden.

Wie erkenne ich die Trageerschöpfung im Training?

  • Das Pferd geht kurztrittig, hölzern und läuft in den Boden
  • Schwere Atmung, Kurzatmigkeit, häufiges Husten besondern im Trab und Galopp
  • Es stolpert oft und hat vermehrt Sehnenprobleme bis hin zu chronischen Lahmheiten
  • Lustlose Bewegungen – Häufig passen die Grundgangarten nicht zum Exterieur
  • Es wird wenig Schwung von hinten entwickeln und durchlassen
  • Es dehnt und biegt sich ungern

Ursachen

  • zu langes Reiten bei ungenügendem Trainingszustand (z. B. auch nach Pausen wie Krankheit oder Urlaub des Reiters)
  • zu schwerer Reiter
  • zu starke Belastung bei ungenügendem Trainingszustand (z. B. viel Springen, wenn das Pferd es nicht gewohnt ist, weil man plötzlich für eine Springprüfung vorbereiten muss)
  • unpassende Ausrüstung
  • Schmerzen, die länger andauern oder sehr häufig sind z. B. bei wiederkehrender Hufrehe
  • zu viel „auf der Bremse“ getreten – ständiger Zügelzug, kein oder wenig frischer Galopp
  • Sitzfehler
  • fehlende Korrektur von Gleichgewichtsproblemen, natürliche Schiefe usw.
  • Fehler im Management (Hufe, Haltung, Fütterung usw.)
  • Betriebsblindheit beim Menschen: der nicht in der Lage ist, Anzeichen für Schmerzäußerung zu erkennen und lieber die Zickigkeit und Unwilligkeit des Pferdes dafür verantwortlich macht. Auch das Annehmen von „Hilfe“ bei anderen mit Halbwissen herumlaufenden Pferdemenschen unterstützen das ganze Problem noch zusätzlich. Und auch das rigorose Ablehnen von theoretischen Wissen, was so mancher Pferdemensch für sich beherzigt, ist ein wichtiger Faktor.
  • äußere Einflüsse wie z. B. Stürze mit einhergehenden u. a. muskulären Veränderungen

Was kann ich dagegen tun?

Überprüfe:

  • das Zubehör (vor allem den Sattel!)
  • die Art das Pferd zu reiten
  • die Haltung
  • Fütterung
  • Zustand von Zähnen, Hufen usw.
  • die Art des Training

Als erste Maßnahme solltest du das Reiten einstellen und einen Tierarzt/Hilfesteller rufen, wenn dieser nicht schon am Pferd war und das ganze festgestellt hat. Es heißt nun geduldig sein, auf seinen eigenen Komfort verzichten und im Sinne des Pferdes zu handeln. Die Muskulatur, Vorhand und Wirbelsäule wird von Blockaden befreit und anschließend wird ein gemeinsamer Trainingsplan erarbeitet. Je nach Ausprägung werden zwischen 1-3 Monate Bodenarbeit zum Muskelaufbau notwendig sein, bevor wieder geritten werden kann.

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